Kriegsbiografien
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Lutz Kroneberg

Kriegsbiografien. Geschichte im familiären Umfeld

Die Homepage "Kriegsbiografien" stellt drei Männer aus dem Familien- und Freundeskreis vor, deren Leben im 1. und 2. Weltkrieg teils ähnlich, teils sehr unterschiedlich verlief.

Friedrich Otto Wilke (1880 - 1918) aus Magdeburg wurde als Schneidermeister und junger Familienvater 1916 im Alter von 36 Jahren als Musketier an die deutsch-französische Front nahe Metz geschickt. Wie durch ein Wunder überlebt er bis wenige Tage vor Kriegsende. Er fällt bei Tincourt-Boucly (Picardie) und wird von den Briten aufgefunden und bestattet. Seine Familie kann sein Schicksal erst 2007 aufklären und findet die Grabstelle auf dem New British Cemetery in Tincourt-Boucly (Picardie) nahe Peronne. Die Commonwealth  War Graves Commission wird das Grab bis in alle Ewigkeit pflegen.

Franz Jacobsmeyer (1914 - 1944) ist Eisenbahner in Burgsteinfurt, verheiratet, Vater einer Tochter. Als er 1944 im Alter von 30 Jahren den Einberufungsbefahl erhält, ist seine Frau schwanger mit dem zweiten Kind. Er wird als Sanitätsoffizier in die Ukraine geschickt. Sieben Wochen nach seinem Eintreffen an der Front fällt er in dem kleinen Dorf Agronomovka, unweit Perliti und Ungheni, heute Moldawien, Kampfgebiet der Roten Armee in der 1. Iashi-Chisinau-Offensive des Jahres 1944. In diesen sieben Wochen schreibt er Briefe an seine schwangere Frau (Briefe sind nicht erhalten) und vier Briefe an seine Mutter und Geschwister (hier unter "Briefe").  Die 2. Iashi-Chisinau-Offensive der Roten Armee führt im August 1944 zum Untergang der 6. Armee (was nach Stalingrad davon übriggeblieben ist) und der 8. Armee. Innerhalb einer Woche im August 1944 fallen in der Umgebung von Iashi über 300.000 deutsche Soldaten. Der Familie gelingt es mit Unterstützung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, im Jahre 2008 das Schicksal des Ehemannes, Vaters und Großvaters aufzuklären. Franz Jacobsmeyer hat 2010 seine letzte Ruhestätte auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Chisinau (Moldawien) gefunden.

August Kroneberg (1885 - 1968) aus Sondershausen im Harz entstammt einer proletarischen Familie mit zwölf Geschwistern. Schon 1902 schließt er sich der Sozialdemokratischen Partei an. Nach einer neunjährigen Wanderschaft quer durch Europa als Tischlergeselle und als Soldat im 1. Weltkrieg (Pionier von 1914 - 1918)) engagiert er sich in der Bauarbeiter-Gewerkschaft und in der SPD Leipzigs. Er wird Stadtverordneter und Vorsitzender des Bauausschusses der Stadt Leipzig. 1933 wird ihm jegliche berufliche und parteiliche Tätigkeit untersagt. Er geht in den Untergrund. Im Rahmen der A-Kartei-Aktion wird er 1939 in das KZ Buchenwald verbracht. In der Außenstelle Köln des KZ Buchenwald ist er nur kurz tätig und wird anschließend im zu errichtenden KZ Mittelbau-Dora bei Nordhausen (Harz) interniert.  Nur wenige Kilometer von seinem Elternhaus entfernt, verbringt er nahezu zwei Jahre in Mittelbau-Dora und wird Zeuge der unmenschlichen Lagerbedingungen und des dortigen V2-Raketenbaus. Er ist aktives Mitglied des lagerinternen Widerstands. Den Todesmarsch in das KZ Bergen-Belsen überlebt er, auch die dramatische Situation dort vor und nach der Befreiung durch die Engländer. Er beginnt Mitte 1945 wenige Wochen nach der sechsjährigen KZ-Lagerhaft  - jetzt schon 60-jährig - in Leipzig sofort wieder mit politischer Arbeit und erhält eine leitende Funktion im Arbeitsamt Leipzig. Den Vereinigungsprozeß mit der KPD sieht er skeptisch, stimmt aber letztlich zu. Ende 1950 werden er und weitere Sozialdemokraten Leipzigs als Schumacher- und CIA-Agenten  diffamiert und verlieren alle politischen und Partei-Ämter. Er widmet sich seinem Kleingärtner-Verein. Erst im Vorfeld des Mittelbau-Dora-Prozesses am Landgericht Essen (1966) wird er rehabilitiert und mit politischen Ehrungen zweiter Klasse durch Ulbricht und Grotewohl überhäuft. Er stirbt 1968 in Leipzig, innerhalb der Familie ebenso vergessen wie in der Leipziger SPD.  

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